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31.07.2017 Was für eine Show!


Die Casting-Welt ist um eine Show reicher: Buchs sucht die Super-Schweizerin. Aber während Casting-Shows oft darauf angelegt sind, die Kandidierenden zu blamieren, ist es hier die zuständige Jury, die uns Fremdschämen lässt. Terrific!

Die Jury, in diesem Fall die Einbürgerungskommission der Aargauer Agglo-Gemeinde Buchs, machte sich an die Arbeit, um eine hier geborene 25-Jährige einzubürgern – oder nicht. Die Kandidatin arbeitet in einem technischen Beruf, spricht fliessend Deutsch und hat den schriftlichen Staatsbürgertest mit der vollen Punktzahl bestanden. Liest man das Protokoll des Einbürgerungsgespräches und die 92 gestellten Fragen, stockt einem der Atem. Was für ein Bild haben diese Kommissionsmitglieder von Staatsbürgerschaft? Was zum Kuckuck tut es zur Sache, ob die Befragte eine Wehrpflicht für Frauen unterstützt oder nicht? Ob sie beim Dorfmetzger oder in der Migros einkauft? Ob sie, die gut Ausgebildete, sich ein Auto auf Kredit kauft?

Und das war erst der Anfang: Sind wir alle, die noch nie vom «Bachfischet» gehört haben, keine richtigen Schweizerinnen? Man gerät da in ganz neue Dimensionen: Fussball wird in Buchs nicht als typische schweizerische Sportart anerkannt, da von fremden Fötzeln erfunden. Dafür ist Ostern ein typisch schweizerischer Brauch, da nicht von fremden Fötzeln erfunden; was natürlich Quatsch ist. Das Protokoll der Peinlichkeit ist wie Die grössten Schweizer Talente. Man will eigentlich nicht hinsehen, kann aber nicht wegschauen.

Die NZZ am Sonntag fragte sich, was man tun müsse, «damit die Mitbestimmung der Gemeinde erhalten bleibt». Die Frage ist komplett falsch gestellt. Die Lehre von Buchs lautet: Diese Mitbestimmung bringt nichts – ausser dass sie das Ego der Kommissionsmitglieder aufbläst. Früher war der Heimatort für seine armengenössigen Mitglieder zuständig. Entsprechend vorsichtig waren die Gemeinden bei Einbürgerungen. Aber diese Unterstützungspflicht wurde vor wenigen Jahren abgeschafft. Heute zählt der Wohnsitz.

In Buchs wird das Gemeindebürgerrecht von der Einwohnergemeinde vergeben. Wer aufgenommen ist, gehört trotzdem nicht automatisch zur Ortsbürgergemeinde, die das Bürgervermögen verwaltet: Wäre die junge Frau Buchserin geworden, hätte sie ein weiteres Gesuch für die Ortsbürgergemeinde stellen müssen. Steckte ich in ihrer Haut, würde ich nach dieser Vorgeschichte dankend darauf verzichten, so lange ich noch alle Nadeln an der Tanne habe.

Die Mitsprache der Gemeinden bei Einbürgerung wird langfristig wegfallen. Nur beim Bürgervermögen wird sie bleiben. Dort können sich dann die Alteingesessenen nach Herzenslust in ihrer kleinen Welt austoben. Aber die Irrmeinung, lokale Folklore sei gleichzusetzen mit Schweizer Staatsbürgerschaft, die wird nicht überleben können. Dank Buchs.

Das sind doch tröstliche Aussichten zum 1. August.
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